Von grundloser Panik, gähnender Langweile und einem kleinen Rückfall

Den ersten Urlaubstag starten wir hoch motiviert und früh am Morgen. Die Ausflüge sind geplant und dank Navi kommen wir auch gut an. Ich bin erstaunt, wie gut alles auch ohne Smartphone läuft. Vermutlich liegt es auch nur daran, dass mein Mann seines ja nutzt.

Nachdem wir uns verschiedene Dinge angesehen haben, muss mein Mann das Auto aus dem Parkhaus holen um mich in der Stadt aufzulesen. Denn ich kann aufgrund starker Knieschmerzen einfach nicht weiter laufen. „Das wird jetzt so eine viertel Stunde dauern, bis ich wieder hier bin.“ sagt er und verschwindet. Mit ihm sein Smartphone der letzte Notnagel. Kurz vergesse ich, dass ich ja detoxe und antworte „Ja klar, kein Problem“. Erst als ich auf der Bank sitze und nach meinem Handy suche, wird mir wieder bewusst, dass ich es gar nicht mit habe.

Was, wenn er jetzt einen Unfall hat? Oder mich nicht findet? Oder irgend etwas anderes dramatisches passiert?

Irrationale Ängste und freundliche Holländer

Ich habe das Gefühl, seit wir Smartphones besitzen, haben wir viel mehr Angst, dass schlimme Dinge passieren als früher. Und das Smartphone ist unser geheimes Schutzschild. Solange wir es bei uns tragen, können wir Hilfe rufen, man kann uns erreichen oder zur Not auch orten und wir haben ganz oft das Gefühl wir sind nicht alleine.

Natürlich bringt es nichts, sich weitere Katastrophen auszumalen. Also versuche ich mich zu entspannen. Ich beobachte die Holländer wie sie, Fahrrad fahrend, Massen an Kram transportieren, Bussen ausweichen und dem Regen trotzen. Viele Menschen gehen an mir vorbei und grüßen mich freundlich. Ob es an der holländischen Mentalität liegt oder daran, dass ich nicht mit meinem Kopf über dem Display hänge? Ich weiß es nicht.

Langeweile in der Ferienwohnung

Den Nachmittag verbringen wir aufgrund der Knieschmerzen in der Ferienwohnung. Zum Glück habe ich ein paar Dinge zur Beschäftigung mit gebracht. So rätseln wir im Rätselbuch, lesen Bücher und spielen Gesellschaftsspiele.

Das neuste Spiel das wir entdeckt haben, ist eine Art Escape-Game. Man kann es nur einmal spielen und muss während des Spiels verschiedene Rätsel lösen. Auf der Packung wird eine zum Spiel passende App empfohlen. Diese soll das Spiel erklären und für atmosphärische Musik sorgen. Ich kann meinen Mann nicht davon abhalten, sie runter zu laden und denke nur: Selbst das geht nicht mehr ohne App…

Nach mehreren Stunden des Spielens und Rätselns spüre ich eine innere Leere. Dazu den Drang, mich bei irgendwem melden zu müssen. Obwohl ich meine Eltern bereits zwei mal angerufen hab und weiß, dass es dem Hamster und Ihnen gut geht, verspüre ich mal wieder diese unnatürliche Angst.

„Vielleicht denken meine Eltern ich bin tot, weil ich mich nicht gemeldete habe, oder bei ihnen ist was und sie erreichen mich nicht?“ völlig unrealistische Panik. Das hatte man doch früher nicht? Da gab es eine Postkarte aus dem Urlaub und dann war gut?!

Die Sucht nach dem Internet… ich werde rückfällig

Ich hab das Gefühl mein Körper und meine Seele schreien nach frischem, schnellen Input – Rätselhefte, Bücher, Spiele das scheint mir alles zu langsam für den auf Hetik programmierten digitalisierten Geist.

Als mein Mann am Abend im Bad verschwindet, schnappe ich mir heimlich seinen PC und fühle mich wie ein Junky der an der Nadel hängt. Die schönen bunten Bilder und Mengen an Infos lösen ein Glücksgefühl aus, wobei ich mich trotzdem frage, wieso ich mir so einen Blödsinn überhaupt durchlese…

Fünf Minuten später ist der Spaß auch schon wieder vorbei. „Was machst du da?“ fragt mein Mann streng „Ich gucke mir schöne Sachen in Masstricht an, die wir morgen machen können…“ „Das kann ich auch machen… du machst doch Detox“.

Digital Detox Tag 5

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