10 Tipps für den Krankenhausaufenthalt

Wie in meinem letzten Blogbeitrag berichtet, lag mein Papa nun einige Tage im Krankenhaus. Dabei fiel mir auf, dass er, egal an welchem Tag ich ihn besuchte, stets positiv wirkte und guter Laune war. Jetzt wo er wieder zu Hause ist, habe ich beschlossen ihn zu seinen „Tipps für den Krankenhausaufenthalt“ zu befragen, und eine Liste anzufertigen. Vielleicht hilft sie dem ein oder anderen von euch, der geplant oder ungeplant im Krankenhaus liegen muss.

1. Nimm dir Zeit über das Leben nach zu denken

2. Sehe die positiven Aspekte deiner Situation

3. Schaffe dir einen festen Tagesrhythmus

4. Suche dir passende Beschäftigungen

5. Sei freundlich und wertschätzend im Umgang mit dem Pflegepersonal

6. Feiere kleine Erfolge

7. Hinterfrage das Essensangebot

8. Sag deinen Besuchern was du brauchst

9. Akzeptiere nur die Besucher, die du wirklich da haben willst

10. Nutze die Krankenhausfeatures, wenn dir danach ist

1. Nimm dir Zeit über das Leben nach zu denken

Schon kurz nach dem mein Vater seinen Unfall hatte, erzählte er mir, er habe jetzt einmal richtig über sein Leben nach gedacht. Jetzt hätte man ja mal die Gelegenheit. So hat er die ersten zwei Tage jegliche Formen der Unterhaltung (TV, Bücher, Internet) abgelehnt und sich erst einmal auf sich konzentriert. „Wie war mein Leben bisher?“ „Wie wird es in der Zukunft sein?“ „Was werde ich in der Zukunft ändern?“ oder „Was ist wirklich wichtig im Leben?“ sind mögliche Fragen über die es gilt, mit oder ohne Unfall immer mal wieder nach zu denken.

2. Sehe die positiven Aspekte deiner Situation

Wie im letzten Artikel beschrieben, hat es mein Vater sehr schnell geschafft, seine Situation zu „reframen“. So erkannte er schnell, dass er großes Glück hatte, dass es ihn nicht schlimmer getroffen hat. Auch die zuständigen Ärzte sagte ihm dies. So fühlte sich die Situation nicht mehr wie ein zerstörender Schicksalsschlag, sondern wie eine 2. Chance, die man von wem auch immer geschenkt bekommen hat, an.

3. Schaffe dir einen festen Tagesrhythmus

Wenn du irgendwann merkst, dass deine Gedanken sich im Kreis drehen oder du dir zu viel Sorgen über deine körperliche Situation machst, ist ein fester Rhythmus praktisch. Gerade der Krankenhausalltag mit seinen routinierten Abläufen (Essen, Visite etc.) macht es leicht sich einen eigenen Tagesplan zu entwickeln. So hatte mein Vater schnell feste Zeiten für Essen, Lesen, Radio hören,über den Flur laufen oder Besuch empfangen eingeplant.

Als ich ihn fragte was ihm das denn bringe, antwortete er:

  • Du hast keine Zeit für negative Gedanken.
  • Es kommt keine Langweile auf.
  • Jede außerplanmäßige Untersuchung sorgt plötzlich für spannende Abwechslung.
  • Mit der Zeit vergisst du deine „Krankheit“.

4. Suche dir eine passende Beschäftigung

Wie füllt man nun seinen „Tagesplan?“ am Besten suchst du dir eine passende Beschäftigung. Diese ist natürlich abhängig von deiner Beeinträchtigung. Während mein Vater anfangs mit Radio hören schon bedient war, begann er nach wenigen Tagen zu lesen, im Internet zu surfen und kleine Runden über den Flur zu laufen.

Leider haben noch nicht alle Krankenhäuser freies WLAN, doch mit einem mobilen W-LAN Hotspot kannst du dir das Internet auch auf andere Wege für wenig Geld ins Krankenhaus holen. Für das Lesen eignet sich ein E-Book gut, sofern du eins besitzt. Es hat wenig Gewicht und lässt sich auch mit einer Hand gut halten. Je nach E-Book brauchst du nachts noch nicht einmal Licht, das deine Zimmergenossen eventuell stören könnte.

Natürlich gibt es noch etliche weitere Beschäftigungsmöglichkeiten: so sah ich zuletzt einen Youtube-Kanal von einer Frau die auf Grund ihrer Mukoviszidose sehr viel Zeit im Krankenhaus verbringen muss, und dort begonnen hat Wasserfarben zu malen und ihre Bilder nun sogar verkauft. (Hier mein Blogartikel zu dieser inspirierenden Person). Eine andere junge Frau war von heute auf morgen durch einen Unfall querschnittsgelähmt und hat darauf hin begonnen einen Blog zu schreiben, anfangs nur zu Verarbeitung ihrer Erlebnisse, dann irgendwann wurde sie schon fast zu einer kleinen Berühmtheit und schrieb auch nach ihrem Krankenhausaufenthalt immer weiter.

So kann aus den Ressourcen, mit denen du dir im Krankenhaus die Zeit vertreibst, sogar etwas ganz Großes wachsen!

5. Sei freundlich und wertschätzend im Umgang mit dem Pflegepersonal

„Ich bin Frau Xy, und ich bin heute Abend für sie zuständig. Kann ich Ihnen irgend einen Wunsch erfüllen?“ das sind nicht etwa die Worte eines Zimmermädchens im Hotel, sondern die Worte mit denen sich eine Schwester meinem Vater vorstellte.

Von dieser positiven Sprache war ich sehr beeindruckt, und diesen freundliche Umgang solltest du stets erwidern.

„Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus“ diesen Spruch kennt fast jeder, und er gilt auch im Krankenhaus. Leider sind die Pfleger häufig sehr gestresst, unterbezahlt und mit ihren Kräften am Limit. Und leider hören sie selten ein Danke oder ein anderes Lob.

Wer sich freundlich und nett verhält, den Pfleger mit Respekt begegnet, der wird meistens auch so behandelt. Leider gibt es noch immer Menschen, die das Pflegepersonal nicht genug wertschätzen, da sie sich als etwas „Besseres“ ansehen. Dabei vergessen viele, dass Pflege häufig nicht nur ein Beruf sondern auch eine Berufung ist. Sicher könnten viele Pfleger auch einen anderen Job haben, doch sie haben genau diesen Beruf gewählt weil sie mit Menschen arbeiten wollen und sie unterstützen wollen.

Wie wertvoll genau diese Unterstützung ist, darüber macht man sich im Alltag keine Gedanken. Wer denkt schon gerne darüber nach, dass er von heute auf morgen im Krankenhausbett liegen könnte, sich nicht mehr waschen könnte, nicht mehr auf Toilette gehen könnte, nicht mehr aufstehen könnte und für jede noch so kleine Aktion Hilfe brauchen könnte?

Erst wenn man dann wirklich in der Situation ist, erkennt man das Pfleger nicht nur irgend einen Beruf ausüben sondern kleine Engel sind, die Dinge für einen tun, zu denen kaum ein anderer in der Lage ist. Daher behandele die Krankenpfleger und Krankenschwester genauso, bedanke dich sei freundlich und auf Augenhöhe, denn wer Liebe gibt bekommt sie meistens auch zurück.

6. Feiere kleine Erfolge

Wieder eine Weisheit, die nicht nur das Leben im Krankenhaus betrifft. Leider leben wir in einer Gesellschaft in der kleine Erfolge häufig nicht so viel Wertschätzung erfahren wie große. Doch du alleine bestimmst, welche Erfolge du feierst.

„Ich bin heute schon eine Runde über den Flur gelaufen!“ erzählte mir mein Vater freudig am Telefon und ich freute mich mit ihm. Während der Pessimist sich sagt: „Vor einer Woche konnte ich noch 4 Stunden am Stück Tischtennisspielen“ legt der Optimist seinen Blickwinkel auf das Hier und Jetzt: „Die letzten 2 Tage konnte ich nicht einmal das Bett verlassen, heute bin ich eine GANZE RUNDE über den Flur gelaufen“.

7. Hinterfrage das Essensangebot

So sieht das Essen im Krankenhaus leider nicht aus… Krankenhausessen ist und bleibt ein leidiges Thema. Ich bekam einen Schrecken als ich die ausgehängte Essensliste samt Zusatzstoffen an der Wand hängen sah. Leider haben viele Krankenhäuser noch nicht erkannt, wie viel Ernährung bewirkt. Während sich die Ärzte beim Impfen voller Eifer an die Vorgaben der StIko (Ständige Impfkomission) halten, interessiert sich im Krankenhaus keiner an die Vorgaben der WHO (Weltgesundheitsorganisation).

Doch auch hier gibt es Möglichkeiten.

  • oft werden Schonkostgerichte und vegetarische Gerichte angeboten, wenn sie dir nicht vorgelesen werden, frage danach
  • auf Nachfrage ist oft mehr möglich als man denkt, so erhielt mein Vater morgens Vollkornbrötchen und sein Zimmernachbar abends Salate
  • lass dir gesundes Essen von Besuchern mitbringen

8. Sag deinem Besuch was du brauchst

Besuch zu bekommen, kann eine schöne Abwechslung im Krankenhaus sein. Leider meint es der Besuch oft zu gut und bringt Unmengen an Schokolade, Keksen und Kuchen mit. Da das Krankenhaus essen leider oft eh nicht besonders nahrhaft ist, wünschst du dir aber vielleicht viel lieber etwas anders. Schäme dich nicht deinen Besuchern genau zu sagen, auf was du Lust hast, oft ist der Schokoladenkauf auch nur ein Akt der Verzweiflung weil einem sonst nichts einfällt.

So blieb meine mitgebrachte Schokolade unberührt in der Schublade,während mein Vater jeden Tag voller Freude den mitgebrachten kalten Orangensaft trank und so sich und seinem Körper etwas Gutes tat.

Doch die Aussage gilt nicht nur für das Essen, lasse dir deine wichtigsten Sachen mitbringen und scheue dich auch nicht zu sagen wenn du einfach nur Ruhe brauchst.

9. Akzeptiere nur den Besuch den du wirklich da haben willst

Du bist im Krankenhaus und es möchten dich Menschen besuchen, die du eigentlich gerne hast, aber jetzt einfach nicht sehen willst, da du deine Ruhe zur Erholung brauchst? Dann kommuniziere es. Du bist krank, es ist dein volles Recht nur die Menschen zu dir zu lassen, auf die du jetzt Lust hast.

Wusstest du, dass du im Krankenhaus am Anfang gefragt wirst ob deine Zimmernummer weiter gegeben werden darf? Wenn du hier Nein sagst, hast du stets die volle Kontrolle über den Besucherzustrom.

10. Nutze die „Krankenhausfeatures“ wenn dir danach ist

a) Im Krankenhaus gibt es neben den Ärzten und Pflegern auch noch weitere unbekanntere Institutionen, die da sind um sich um dein Wohl zu kümmern. So gibt es z.B. die grünen Schwestern, den Sozialdienst oder den Pfarrer mit denen du reden kannst und die dich im Krankenhaus unterstützen. All diese Institutionen sind völlig kostenfrei und in fast jedem Krankenhaus vorhanden, falls du Interesse hast, frag einfach danach.

b) Ein besonderes Feature ist der Feedbackbogen, den findest du in fast jedem Krankenhaus. Nutze ihn am Ende um Kritik und Lob abzugeben, nur wer weiß was er falsch macht, kann sich bessern.

 

Feedback gefällt nicht nur dem Krankenhaus. Auch ich freue mich wenn ihr mir Kommentare schreibt, oder meinen Blog teilt. :) 

Wie überstehe ich das Krankenhaus?

2 Kommentare zu „Wie überstehe ich das Krankenhaus?

    • 15. Mai 2018 um 17:22
      Permalink

      Vielen Dank :) Mit der richtigen Einstellung, ist selbst das Krankenhaus nicht so schlimm. Man könnte diese (und auch andere Tipps) den Patienten ja direkt ans Herz legen, wenn sie geplant ins Krankenhaus müssen.

      Antworten

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