Lebensweisheiten aus meiner Kindheit Teil 2

„Ja ich freue mich ja schon auf meinen Urlaub, aber dann komme ich nach Hause und nach ein paar Tagen bin ich einfach nur traurig weil ich dorthin zurück will, weil dort alles viel schöner war…“

Diese Antwort gab mir meine Freundin letztes Jahr auf die Frage: „Freust du dich denn gar nicht auf deinen Urlaub?“

Ich war sprachlos. Denn ich war mit der Einstellung groß geworden, dass man nur in den Urlaub fährt um zu sehen wie es schön es zu Hause ist.

Als ich noch klein war sind wir nicht sehr oft und nicht sehr weit in den Urlaub gefahren. Daher war es für mich immer ein besonders tolles und aufregendes Erlebnis wenn es mal wieder so weit war. Ich habe es geliebt in fremden Betten zu schlafen, fremde Supermärkte zu erkunden oder sogar fremde Sprachen zu hören. Das alles war ein riesiges Abenteuer.

Von daher konnte ich nur mit dem Kopf schütteln wenn mein Vater, spätestens wenn wir wieder zu Hause waren gesagt hat: „Ach am schönsten ist es doch zu Hause!“ Ich hab dann gefragt: „Wieso fahren wir dann überhaupt weg?“ „Na, man fährt in den Urlaub, um zu erkennen wie schön es zu Hause ist“ antwortete mir mein Vater, und ich ging kopfschüttelnd davon.

Jahrelang habe ich gedacht, mein Vater spinnt doch ein bisschen. Es ist doch viel schöner unterwegs zu sein, als zu Hause in seinem langweiligen Leben. Doch dann als ich mit circa 18 Jahren an der Lahn saß und im Sommer die Beine mit einer Freundin im Fluss baumeln ließ, ein Eis in der Hand hielt und ins Grüne sah dachte ich „Am schönsten ist es doch hier.“ Kein Wunder also, dass immer so viele Menschen auf dem Campingplatz direkt an der Lahn Urlaub machen.

Ist es zu Hause wirklich am Schönsten?

Man könnte meinem Vater nun vorwerfen, dass er die schönsten Orte der Welt vielleicht einfach noch nicht gesehen hat. Man könnte aber auch einfach beschließen, dass er scheinbar an einem sehr schönen Ort wohnt und gar keine große Reisesehnsucht besteht.

Einige Jahre vergingen und ich zog in die Großstadt. Als ich dort wohnte, fuhr ich immer wieder zu meinen Eltern nach Hause, und ich hatte das Gefühl zwei zu Hauses zu haben.

Auch wenn mich große Städte und viele Menschen eigentlich stressen, hat sich auch die Stadtwohnung ein wenig wie ein zu Hause angefühlt. Allerdings hatte ich dort niemals das Gefühl das es der schönste Ort ist und immer wenn ich meine Eltern besuchte, dachte ich… hier ist es noch schöner!

My home is my castle

Ich denke die „Schönheit“ die wir für unser zu Hause empfinden, ist oft eine die tiefer liegt. Man kann in Worten nicht beschreiben, was an der durchgesessenen Couch, dem immer gleichen Supermarkt und den immer gleichen Menschen auf der Straße wirklich schön ist. Vielleicht ist es auch ein wenig die Sicherheit, die uns unser gewohntes Umfeld bietet.

Letztlich denke ich nicht, dass man NUR in den Urlaub fährt um die Schönheit des eigenen zu Hauses zu erkennen. Genauso wie man nicht NUR ins Kino geht um Popcorn zu Essen. Es ist ein Nebeneffekt, der eben einfach so passiert.

 

Oh wie schön ist Panama

Sicherlich gibt es auch viele Orte die sich im Urlaub viel schöner als das eigene zu Hause anfühlen, doch letztlich ist zu Hause eben nicht nur der Ort an dem man wohnt sondern der Ort wo man lebt. Wo man sich geborgen fühlt, wo man die meiste Zeit seines Tages verbringt und wo man seine Freunde hat. Und manchmal braucht es eben etwas Abstand um das alles wieder zu erkennen, genau wie in der Geschichte „Oh wie schön ist Panama“. Mit der neu gewonnen Erkenntnis und um viele schöne Urlaubserinnerungen reicher fühlt sich das zu Hause dann wirklich oft schöner an als zuvor.

 

Nachgefragt

Kurz nach dem ich den Artikel geschrieben habe, habe ich mein Vater noch einmal zu seiner Aussage befragt. Daraufhin meinte er, er könne nicht verstehen, dass Menschen ihr ganzes Geld in Urlaube investieren anstatt sich den Ort an dem sie die meiste Zeit verbringen so schön wie möglich zu gestalten: nämlich ihr zu Hause

Sicherlich mag es auch Menschen geben, die dass anders sehen doch hier geht es ja um meine persönliche Einstellung und ich bin nun eben mal mehr der „My home ist my castle“-Typ als der Globeltrotter.

Man fährt doch nur in den Urlaub, um zu sehen wie schön es zu Hause ist

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