Brücke

Dieser Satz fiel gerade in meiner Pubertät fast täglich in meiner Familie. Denn wenn meine Eltern mein Verhalten hinterfragten, rechtfertigte ich mein Taten oft mit der Aussage: „Die … macht das aber auch“, worauf hin sie antworteten: „Jaja und wenn deine Freundin von der Brücke springt, springst du hinterher.“ Und das es dabei nicht um ein lustiges Planschvergnügen ging, verdeutlichten sie mit der zweiten Alternative des Satzes: „Und wenn die … in den Rhein springt, springst du dann auch?“ Als Kind war ich tierisch genervt von diesem „Totschlag-Argument“, heute sehe ich es anders.

Denn letztlich ging es für meine Eltern nicht vorrangig darum, mich von einer, in ihren Augen unsinnigen, Aktion abzuhalten. Nein sie versuchten immer wieder an meinen eigenen Willen und meine Eigenständigkeit zu appellieren. „Willst du das wirklich tun, oder willst du es nur weil andere es auch tun. Setzt dich vielleicht sogar jemand unter Druck?“ wäre vielleicht die besser formulierte Variante gewesen.

Heute sehe ich den Satz als eine Lektion fürs Leben. Wie oft machen wir Dinge die wir eigentlich gar nicht tun wollen, nur weil wir das Gefühl haben, sie tun zu müssen (Wieso wir eigentlich gar nichts müssen, erfährt du hier). Weil irgend etwas im Außen ist, dass uns dazu drängt. Oft merkt man erst später, dass man etwas gar nicht wollte und irgendwie wieder in dieser blöden Situation gelandet ist.

 

Eigene Fußstapfen hinterlassen

Fußstapfen

Doch hinter dem Satz steckt noch mehr. Denn wer immer nur dem Weg einer anderen Person folgt, ohne ihn kritisch zu hinterfragen, verliert seinen eigenen Weg.

„Wer in alte Fußstapfen tritt, hinterlässt keine eigenen Spuren“

heißt es in einem Sprichwort von Wilhelm Busch.

Hinzu kommt, dass der Weg des anderen in 99,99999% aller Fälle nicht unserer sein kann. Denn wir sind alle verschieden, haben verschiedene Stärken, Schwächen und Bedürfnisse. Wenn wir versuchen einen anderen zu kopieren und seinem Weg zu folgen ohne nach links und rechts zu sehen, verbiegen wir uns.

 

Nebeneinander statt Hintereinander

Nebeneinander

Das heißt nicht das wir alle als Einzelgänger durch die Gegend rennen sollten und niemand an unserer Seite dulden dürfen. Im Gegenteil, andere Menschen wirken auf uns und fördern unsere Weiterentwicklung. Ich vergleiche es mit einem Bild.

Wir laufen durchs Leben und haben dabei in verschiedenen Abschnitten immer wieder Menschen an unserer Seite, die uns ein Stück oder auch das ganze Leben lang begleiten. Doch genau hier liegt der Unterschied, wenn wir jemandem hinterher laufen, laufen wir durch seinen, von ihm frei gekämpften Weg, der für ihn der richtige ist.

Wenn wir neben jemanden her laufen, geben wir uns gegenseitig Halt, sehen nach rechts und links und müssen und immer wieder selbst den Weg nach vorne frei machen. Vielleicht helfen uns Menschen an unsrer Seite hin und wieder ein Hindernis aus dem Weg zu räumen, doch der Weg bleibt unser eigener.

Wenn deine Freundin von der Brücke springt, springst du wohl auch?

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