Endlich Herbst

Es ist endlich so weit! Die Bäume verlieren die ersten Blätter, der erste Herbststurm ist über Deutschland gefegt, es regnet mal wieder, die Nüsse fallen von den Bäumen und alles wird bunt.

Während die einen traurig sind, weil der Sommer vorbei ist, freuen sich die anderen über den Herbst. Ich gehöre zur zweiten Fraktion. „ Aber im Herbst ist es dunkel, nass und ungemütlich!“ mag der ein oder andere jetzt sagen oder „da wird man depressiv!“

Und tatsächlich ist es so, dass durch die dunkle Jahreszeit leichte depressive Zustände entstehen können, die dann unter anderem mit Lichttherapie behandelt werden.

 

Wieso der Sommer traurig machen kann

Doch trotzdem ist es so, dass die Selbstmordrate im späten Frühling und beginnenden Sommer am höchsten ist. „Wie kann das sein? Im Sommer ist es doch so schön war, und alle sind gut gelaunt?“ mag man sich nun fragen. Doch genau das ist das Problem.

Durch die vielen fröhlichen Menschen, die einem, sobald man das Haus verlässt, überall in Scharen begegnen oder die einem im Radio mit Worten wie „Und wieder drei Tage Sonne satt und über 30 Grad, was machen sie bei diesem wundervollen Sommerwetter? Gehen Sie auch in den Biergarten? Oder genießen Sie den Tag im Schwimmbad?“ in den Tag begleiten, fühlen sich andere in ihrer Depression oder an ihren schlechten Tagen noch viel schlechter.

Denn der Sommer scheint es einem nicht zu erlauben traurig zu sein. Nicht umsonst sagt man die Sonne „lacht“ bei Sonnenschein und der Himmel „weint“ bei Regen. Es ist gesellschaftlich wenig akzeptiert bei 30 Grad die Decke über den Kopf zu ziehen und mal Zeit für sich zu brauchen. Mal ganz abgesehen davon, dass man sich zu Tode schwitzt wenn man sich bei der Hitze in eine schützende Decke ein mummeln will.

Nein, im Sommer sind alle fit, schlank und aktiv. Die Menschen sind draußen von früh am Morgen bis spät am Abend, oft auch in Gruppen. Das Ganze ist durchaus geselllig und selbst ich als Sommer-Verweigerer, kann dem Flair durchaus auch mal ein paar Tage etwas abgewinnen. Doch ich verstehe auch, dass diese Atmosphäre Menschen, denen es nicht gut geht, noch mehr zu setzt. Sie fühlen sich im Sommer einsamer als im Herbst oder im Winter, wo viele Leute zu Hause alleine auf der Couch liegen. Sie fühlen sich im Herbst nicht als einsame Versager, weil sie niemanden zum Grillen haben oder niemand sie in den Biergarten einlädt.

 

Wieso der Herbst unserer Seele Erholung bietet


Zum Glück bietet der Herbst für alle etwas. Es gibt Sonne und goldene Tage für schöne Unternehmungen in der Natur, und am Abend kann man sich auf sich besinnen und zur Ruhe kommen. Es gibt nasse Tage, an denen man sich auch mal der Melancholie hingeben kann und das Radio kuschelige Lieder spielt und der Wetterreporter sagt: „Am besten bleiben Sie heute einfach im Haus“ und plötzlich niemand mehr von einem erwartet, dass man das gute Wetter oder die langen warmen Nächte genießt. Tage an denen es okay ist unter einer dicken Decke zu liegen und sich zu entspannen und der Seele Zeit zu geben.

 

Von daher liebe ich den Herbst mit all seinen Facetten Denn wie das Leben und die eigene Stimmung, hat auch er von Regen über Sturm und Sonne alles zu bieten – manchmal sogar alles an einem Tag!

Wieso die Seele auch mal Herbst braucht
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