„Wie geht es dir?“
– Eine leicht gestellte Frage und doch so schwer zu beantworten

Mensch mit Sprechblase

Wie oft passiert es uns? Wir treffen jemanden, den wir lange nicht gesehen haben und bekommen die Frage „Wie geht es dir?“ gestellt. Während die einen einfach „gut“ antworten, rattert es bei anderen, wie mir im Kopf. Der Monolog in meinem Kopf beginnt.

Wie ist die Frage überhaupt gemeint? Wie geht es mir jetzt grade hier im Moment? Das kann meilenweit abweichen von dem, wie meine momentane Grundstimmung ist. Wenn ich beispielsweise eigentlich total gestresst bin und mir dann mal 5 Minuten Pause gönne und kurz vor die Türe gehe, und mich grade innerlich entspanne könnte ich sagen: „Oh mir geht es gut.“ oder „Ach ich bin total gestresst, grade habe ich mal kurz eine Verschnaupspause“.

Was bedeutet überhaupt „Wie geht es dir?“ ist die Frage auf meine Seele bezogen oder auf meinen Körper? Oder auf beides?

 

Eine Frage und viele Antworten…

„My body may be broken but my smile always works“ steht auf einem neuen T-Shirt von Mary Frey. Auch hier wieder eine große Diskrepanz. So könnte jemand der krank ist entweder sagen:

„Mir geht es schlecht wie immer. Mein Rücken bringt mich um, ich war letzte Woche beim Arzt aber der weiß auch nicht weiter und ich habe heute schon zwei Schmerztabletten genommen, aber die helfen auch nichts.“ oder er könnte sagen:

„Ach ja eigentlich geht es mir ganz gut. Ich habe viele nette Freunde, einen schönen Garten und eben hatte ich ein leckeres Mittagesssen. Naja der Rücken macht mir zu schaffen, aber auch da finde ich sicher noch eine Lösung“ Beides kann stimmen und beides kann gleichzeitig stimmen, wie also umgehen mit der Frage?

 

„Moment bitte, meine innere Berechnung läuft noch…“

mathematische Formeln

Wenn mir jemand die Frage stellt, sehe ich manchmal eine Art innere Statistik vor mir. Mhm was ist grade gut was ist schlecht? Wie ist der Trend? Wie haben sich meine Beschwerden in letzter Zeit verändert wie meine Seele? Doch das alles kann ich nicht in den wenigen Sekunden zusammen fassen, daher entscheide ich mich meist für ein vorschnelles „Gut“ bei Menschen die mich weniger kennen, und bei denen ich keine Lust auf eine längere Diskussion habe.

Wie soll man die Frage „Wie geht es dir?“ also überhaupt beantworten, wenn man selbst nicht mal weiß, wie es einem geht? Vermutlich hängt die Entscheidung von so vielen verschiedenen Faktoren ab, dass die Frage am Ende nie umfassend beantworten werden kann.

 

Was die Antwort beeinflusst….

Da wäre der Faktor Zeit. Wenn ich keine Zeit habe, werde ich eher mit „gut“ antworten, da ich so schneller davon komme als mit „schlecht“, denn auf „schlecht“ folgen in der Regel viele Fragen.

Dann der Faktor Vertrauen. Wieso sollte ich einer entfernten Bekanntschaft eine genaue Aussage über meinen Zustand geben, der mir selbst nicht einmal wirklich bewusst ist?

Außerdem die Frage: Welches Ziel verfolge ich? Will ich Mitgefühl? Dann lege ich den Fokus vielleicht eher auf die Schmerzen. Will ich Ablenkung? Dann berichte ich lieber von anderen Dingen. Will ich wirklich darüber reden wie es mir geht z.B. mit einer guten Freundin? Dann ergründe ich meinen Zustand in einem langen Gespräch.

Natürlich kommt es auch darauf an wie die Frage gestellt wird. Oft hat man das Gefühl, das man außer „gut“ keine andere Möglichkeit hat zu antworten. So kommt es vor, dass sich zwei niedergeschlagene Menschen treffen. Der eine fragt den anderen „Wie geht es dir?“ der andere antwortet „Gut“ und denkt „Scheiße“ und fragt zurück „Und dir?“ und der antworte sagt ebenfalls „Gut“ und so geht jeder stillschweigend seinen Weg weiter.

Ich selbst fühle mich von der Frage: „Wie geht es dir?“ oft erschlagen. Vor allem dann wenn ich nicht eindeutig glücklich oder traurig, gesund oder krank bin. Am liebsten würde ich antworten: „Moment ich werde eine innere Berechnung anstellen und vielleicht kann ich dir morgen mehr sagen“ doch die Aussage ist leider wenig gesellschaftlich anerkannt. Also bleibt es doch meist beim einfachen „Gut.“

 

Alternativen zu „Wie geht es dir?“

Um das elende „Wie geht es dir?“ zu vermeiden, habe ich mir verschiedene Alternativfragen überlegt. So kann man am Telefon mit einem „Huhu, na was machst du grade?“ oder auch mit einem „Was gibt es bei dir so Neues?“ die Frage relativ gut umgehen.

Statt der „Wie geht es dir“ – Frage, kann man auch einfach mal einen Small-Talk beginnen und auf sein inneres Gefühl hören. Spricht mein gegenüber laut oder leise? Ist sein Gesicht fröhlich, traurig, erschöpft? Vor allem sehr sensible Menschen können sich die Frage „Wie geht es dir?“ meiner Erfahrung nach oft auch einfach sparen, weil sie sowieso spüren wie es einem geht.

Wieso „Wie geht es dir?“ keine leichte Frage ist…

3 Gedanken zu „Wieso „Wie geht es dir?“ keine leichte Frage ist…

  • 2. November 2018 um 18:19
    Permalink

    Boah, du sprichst mir aus der Seele! :D Ich mag diese Frage auch nicht so gerne und versuche es bei meinem Gegenüber meist auch mit „Was gibts Neues?“ – es sei denn, es interessiert mich wirklich.

    Antworten
    • 2. November 2018 um 20:19
      Permalink

      Danke!
      Stimmt. „Was gibts Neues?“ ist auch eine gute Alternative.

      Antworten
      • 8. Dezember 2018 um 15:36
        Permalink

        Übrigens: In Thailand stellt man zur Begrüßung nicht die Frage „Wie geht es dir?“, sondern: „Hast du schon gegessen?“ Da kann man sich die oben ausgeführten Überlegungen sparen, sondern antwortet mit „ja“, denn man hat immer irgendwann vorher gegessen.

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