Mein letztes Selbstexperiment (Digital Detox) ist nun etwa 1 Jahr her und es wird Zeit mal wieder etwas neues auszuprobieren. Wie bereits in meinem Veränderungs-Blog-Artikel erwähnt, versuche ich bewusster zu konsumieren. In diesem Blog möchte ich meine Beweggründe zum „Mode-Neukauf-Verzicht“ schildern und Alternativen aufzeigen. Mein Ziel ist es nicht, andere missionarisch zu belehren und ich verurteile natürlich auch niemanden, der weiter neue Kleidung shoppt.

Wie kam ich auf die Idee?

Wer kennt das auch? Man geht in einen der gängigen Modeläden, kauft eine Hose für 10€, ein T-Shirt für 5€ oder Socken für 3€, und auch wenn man sich über die neue Kleidung freut, fühlt man sich danach irgendwie schäbig…

Zu Hause angekommen bemerkt dann plötzlich den Geruch der Kleidung, der vorher vermutlich durch die Klimatisierung der Einkaufsläden überdeckt wurde und irgendwie stinkt es. Und wie soll es auch anders sein? Kleidung die für wenig Geld unter schlechten sozialen Bedingungen hergestellt wird und dann leuchtend bunt und voller Chemie bei uns in den Läden hängt, riecht natürlich nicht angenehm. Daneben hängen Bilder von viel zu dünnen, 100 mal gephotoshoppten Models die einem sagen: Du brauchst genau dieses Teil um cool und hübsch zu sein und man ist sowieso nur cool und hübsch, wenn man dünn ist.

Nach dem stinkigen Auspacken geht es dann weiter. Wer, wie ich angesichts des Geruchs, die Kleidung niemals nach dem Einkaufen direkt tragen würde, beginnt nun mit dem Waschen.

Entweder in der Waschmachine, mit dem Risiko andere Kleidung zu verfärben oder mit der Hand. Und ich rate jedem, es einfach mal zu probieren eine neue Jeans so lange mit der Hand durch zu waschen, bis keine Farbe mehr raus kommt… denn alleine die Dauer der Prozedur (und die bald juckenden Hände) machen klar: irgendwas stimmt hier nicht.

Da ich dieses ganze Prozedere so langsam satt habe, beschloss ich Anfang des Jahres einfach mal ein Jahr lang keine neue Kleidung mehr zu kaufen.

Theoretisch würde ich vermutlich auch mit meinen jetzigen Kleidungsstücken lange gut auskommen, doch da der Wunsch sich über Kleidung auszudrücken und auch immer mal etwas anderes zu tragen dennoch in mir vorhanden ist, beschloss ich komplett auf Second Hand umzustellen. Letztlich gibt es viele gute Gründe für Second Hand und gegen Neukauf.

Der Umwelt zuliebe

In Zeiten in denen Schüler gegen die Klimakatastrophe auf die Straße gehen und die Erderwärmung unabwendbar scheint, sollte jeder etwas zur Verbesserung unserer Umwelt beitragen. Und es macht in meinen Augen einfach keinen Sinn, immer mehr Ressourcen für Kleidung zu verschwenden, die nach ein paar mal tragen im Müll landet. Wieso überhaupt neue Kleidung kaufen, wenn genug gebrauchte vorhanden ist?

Aus sozialen Beweggründen

Jeder weiß unter welchen Bedingungen die meiste Kleidung (ausgenommen Fairtrade-Marken) produziert wird, und sollte sich auch fragen: Will ich das unterstützen? Vor allem dann wenn es überhaupt nicht nötig ist, weil es sowieso schon genug Kleidung gibt, die da ist.

Für die eigene Gesundheit

Der eigenen Gesundheit zuliebe. Auch wenn die Second Hand Ware sicher ebenfalls mit Chemie behandelt wurde, bin ich sicher, dass sich diese durch vormaliges Tragen und Waschen schon etwas „ausgespült“ hat, so dass sie die Haut weniger angreifen kann.

Dem Geldbeutel zuliebe

Auch wenn einem ein T-Shirt inzwischen schon für (viel zu) wenig Geld im Discounter oder Modeladen hinter her geschmissen wird, spart der Second Hand Einkauf Geld. Da 1. das Angebot viel kleiner ist und so die Gefahr für Spontankäufe geringer und sich 2. ein bewussterer Konsum mit der Frage: Brauche ich das wirklich? Einstellt.

Welche Alternativen gibt es?

Da ich also nun keine neue Kleidung mehr kaufen will müssen Alternativen her. Ich muss gestehen: mein erstes Ziel war es überhaupt keine Kleidung mehr zu kaufen und nur von meinem Kleiderschrank zu leben. Doch scheinbar ist der Wunsch nach „neuer“ Kleidung immer noch zu stark, sodass ich es einfach nicht durchgehalten habe. Vielleicht wäre dass dann eine Idee für nächstes Jahr.

  1. Verkaufsportale im Internet
  2. Second-Hand-Läden
  3. Flohmarkt
  4. Geschenkt

Während mich der Einkauf im Internet nicht wirklich überzeugt hat (da ich es einfach brauche die Dinge zu sehen, anfassen und riechen zu können bevor ich sie kaufe), habe ich nach Second Hand Läden gesucht.

Schon der erste Besuch im Second Hand laden war sehr befriedigend. Keine Photoshop-Models an der Wand, kein lästiger Geruch der Kleidung und keine Massenware, da es jedes Teil dort eben nur einmal gibt. Außerdem das gute Gefühl einem ungewollten Kleidungsstück ein neues zu Hause zu geben.

Weiter ging es dann auf dem Flohmarkt, was ein voller Erfolg war. Hier wurde ich für kleines Geld fündig und habe neue Lieblingsteile in bunten Farben und ohne lästigen Chemie-Gestank (da vermutlich schon oft genug gewaschen) gefunden.

Neben den Einkäufen habe ich mich auch schon über ein paar Geschenke freuen können, so hat mir meine Mutter ausgemistete Teile gegeben und eine Freundin hat mir eine Tasche selbst genäht.

Zwischenfazit

Während es am Anfang schwer war an den Kleidungsstücken die einem wirklich ÜBERALL im Geschäft angeboten werden vorbei zu gehen, empfinde ich es jetzt als eine große Zeit- und Geldersparnis.

Ich bin sehr gespannt wo mich mein Selbstexperiment noch hinführt und ob ich es schaffe den ein oder anderen zum Mitmachen zu motivieren. Sicherlich wird es dauerhaft auch mal Ausnahmen für spezielle Kleidung wie Laufschuhe, Unterwäsche oder Socken (noch nie Second Hand gesehen?) geben, doch im großen und ganzen bin ich motiviert dran zu bleiben!

Weiterführende Links

Eine Doku über Mode und Fair-Fashion, die ich kurz vor Beginn meines Experiments geguckt habe. Leider fehlt der Second-Hand-Gedanke in der Doku, trotzdem sehr spannend!

Ein Blog von einer Frau, die es wirklich geschafft hat 1 Jahr KEINE Kleidung zu kaufen (auch nicht Second Hand.)

Wieso ich ein Jahr lang keine neue Kleidung mehr kaufen will

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