Meine aktuellen Gedanken zu Corona

Die ersten Tage, an denen das Corona-Virus so richtig in Deutschland angekommen ist, sind rum. Und irgendwie fühlt sich an, als wäre es anders und dann ist auch doch sie viel wie vorher.

Die letzten Tage kommen mir wie Wochen oder Monate vor.

Noch vor einer Woche war alles anders

Noch vor einer Woche habe ich nicht daran gezweifelt, ob meine Prüfung statt findet oder ob es wohl möglich ist, Ende April Kirmes im Dorf zu feiern. Ich hab keine Sekunde daran gezweifelt, im Juni mit meinem Mann und meiner Mutter unsere drei runden Geburtstage zu feiern.

Wenn ich eine Woche zurück denke, frage ich mich, über was ich mir vor einer Woche überhaupt Gedanken gemacht habe. Vermutlich über die Inkubationszeit von Milzbrand oder den Erreger von Syphillis. Oder ich habe mir überlegt, wie ich die nächste Turnstunde mit den Kindern gestalte oder wann ich nach meiner bestandenen Prüfung in den Urlaub fahre.

Alles Gedanken, die jetzt nicht mehr nötig sind. Es ist sehr seltsam, wenn die Sachen, mit denen man sich tagtäglich beschäftigt, plötzlich komplett anders sind als vorher. Heute frage ich mich: Darf ich morgen noch das Haus verlassen? Wo müsste man überhaupt anrufen, wenn man Corona hat? Wie lange wird die ganze Krise noch gehen? Wieso habe ich beim letzten Ausmisten das 1000 Teile Puzzle weg gegeben? Wie kann ich den Alltag so normal wie möglich gestalten, wenn draußen irgendwie alles anders ist.

Corona, Corona überall Corona

Die Gedanken begleiten mich durch den Tag. Mal mehr und mal weniger stark. Mal bin ich abgelenkt und sie sind ganz weg, dann tauchen sie plötzlich wieder auf. Es ist ähnlich, wie wenn jemand gestorben ist. Am Anfang denkt man rund um die Uhr an den Verstorbenen und irgendwann flaut es etwas ab, um dann in einer Welle wieder zurückzukommen.

Der einzige Unterschied: jetzt sind alle betroffen. Ablenkung ist schwer, wenn alles voll ist mit nur einem Thema. Wenn ich Facebook aufmache und alles ist voll mit mehr oder weniger witzigen Corona-Bildern. Wenn ich den Fernseher anmache und es laufen Live-Shows ohne Publikum. Wenn ich einkaufen gehe und plötzlich selbst Angst bekomme, dass die Regale bald leer sind (Leute, macht keine Hamstereinkäufe!). Wenn ich meine Eltern besuche und sie nicht mehr umarme, dann ist es als würde man in einer Parallel-Welt leben. Irgendwie ist alles noch wie früher. Meine Eltern bleiben meine Eltern, mein Haus bleibt mein Haus und meine Freunde meine Freunde, aber trotzdem ist nichts mehr wie vorher.

All diese Gedanken bedeuten nicht, dass ich in einer ständigen Panik oder Angst lebe. Ich denke, es sind Gedanken die fast jeden von uns momentan begleiten. Den einen mehr, den anderen weniger.

Eingeschränkt und frei zugleich

Es ist erschreckend, wie begrenzt man sich fühlt, ohne wirklich begrenzt zu sein. Man kann noch vor die Türe gehen, hat genug zu essen und für die meisten von uns gibt es auch erst mal kein Grund für Todesangst. Ich bin eigentlich überhaupt nicht der Typ, der ständig draußen herrum rennt und Dinge unternimmt. Im Gegenteil, ich habe schon öfter tagelang das Haus nicht verlassen ohne krank zu sein oder mich schlecht dabei zu fühlen. Doch es ist immer noch etwas anderes, wenn man es für sich selbst entscheiden kann.

Als ich eben auf den Fernseher starrte, fragte ich mich plötzlich wie sich Anne Frank wohl gefühlt haben muss. Was wir grade durchmachen ist ein Witz, gegen das, was sie durchgemacht hat.

Wir jammern rum, weil wir eventuell für eine beschränkte Zeit das Haus nur zum Einkaufen verlassen dürfen, während Anne Frank mit ihrer ganzen Familie in ständiger Todesangst auf wenigen Quadratmetern hauste. Der Gang zum Supermarkt, der vielen von uns als „letzte Freiheit“ vorkommt, war für Anne Frank ein unerfüllter Traum.

Tipp gegen grübelnde Gedanken

Allen die momentan zu sehr von grübelnden Gedanken eingeholt werden, empfehle ich folgende ältere Blogbeiträge:
Denk nicht an den rosa Elefanten!
Fantasiereisen – Es braucht nicht viel nur Fantasie
Die Selbsthypnose

Von Hamsterkäufen, leeren TV-Studios und Anne Frank

Ein Kommentar zu „Von Hamsterkäufen, leeren TV-Studios und Anne Frank

  • 18. März 2020 um 21:44
    Permalink

    Du schreibst mir aus der Seele. Irgendwie kann ich nicht sagen wie ich mich fühle. Ängstlich? Deprimiert? Von beiden etwas? Eher unsicher! Was ist morgen, übermorgen. Wie lange dauert es? Eine Situation, eine Erfahrung, ganz neu. Manchmal fühle ich mich ohnmächtig…,,

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